„Adress-Recherche“: So zockt die Sparkasse Nürnberg Kunden ab

Wenn’s um Geld geht – besser nicht Sparkasse… Das ist die Erkenntnis aus dieser verrückten Geschichte, die mir widerfahren ist. Es begann mit einer Mail aus dem Nichts – und hat mich seitdem viele Nerven, viel Zeit und sogar Geld gekostet. 

Aus heiterem Himmel erhielt ich am 27. Juni um 14.33 Uhr eine E-Mail von einer dieser Absenderadressen des Grauens, wie sie nur im Verwaltungsdschungel eines durchschnittlichen, etwas aus der Zeit gefallenen deutschen Unternehmens bis ins Jahr 2017 überdauern können: postruecklauefer-nuernberg@dsgf.de.

Der Betreff machte mich misstrauisch, klang er doch verdächtig wie aus einem Fishing-Lehrbuch: „Adressklärung wegen nicht zustellbarer Post“. Nur weil im iPhone-Posteingang auch die ersten beiden Zeilen des Textes in der Vorschau mit angezeigt werden und ich darin direkt mit „Sehr geehrter Herr Hofer…“ angeschrieben worden war, öffnete ich die Mail überhaupt. Hier ein Ausschnitt:

Damit war klar, wer sich hinter dem Postrückläufer-Pseudonym verbirgt. Es grüßte freundlich: die Sparkasse Nürnberg, besser gesagt meine Kundenberaterin, oder noch genauer gesagt: der „DSGF/Kundenservice – im Auftrag der Sparkasse Nürnberg“ (im Bild abgeschnitten, da der Name meiner Beraterin sonst zu sehen wäre).

Die Sache ist die: Weder bin ich in letzter Zeit umgezogen noch habe ich vor, in naher Zukunft meine Adresse zu wechseln. Seit ich an meiner derzeitigen Anschrift wohne, habe ich schon zigmal Post von der Sparkasse bekommen. Ich leere meinen Briefkasten regelmäßig, mein Name steht deutlich lesbar auf dem Klingelschild vor dem Haus und auch auf meinem Briefkasten im Erdgeschoss.

Vor diesem Hintergrund empfand ich die Mail mehr als unverschämt. Mir wird unterstellt, ich hätte quasi heimlich meine Adresse gewechselt, ohne meiner Bank Bescheid zu sagen. Mehr noch: Mit fast schon drohendem Unterton werde ich aufgefordert, „umgehend“ zu handeln. Völlig absurd ist die Begründung: EIN Brief, der als nicht zustellbar zurückgekommen ist, scheint in der Logik der Sparkasse Nürnberg nicht nur ein Indiz, sondern ein Beweis für einen Adresswechsel zu sein.

Die Mail ließ mir zwei Optionen: Meldung bei meinem Kundenberater oder meine Daten im Online-Banking selbst „überprüfen und abändern“. Ich entschied mich für Möglichkeit zwei und kontrollierte online meine Adresse, die aber, natürlich, so aktuell wie eh und je war. „Abändern“ wollte, konnte und musste ich also nichts.

Um auf Nummer sicher zu gehen – aber auch um meine Irritation über die Mail zum Ausdruck zu bringen – schrieb ich über die Kontaktfunktion im Online-Banking dann doch noch eine kurze Nachricht an die Sparkasse. Ich erklärte, dass das ganze wohl ein Missverständnis sei, da ich immer noch an der Adresse wohnen würde, die der Bank längst bekannt sei. Außerdem wollte ich wissen, wie die Sparkasse Nürnberg darauf kommt, dass ich umgezogen sei und äußerte den Verdacht, dass der Zusteller möglicherweise einen Fehler gemacht hätte.

Damit hatte sich das Thema für mich erledigt. Bis gestern, Samstag, den 22. Juli. Denn gestern erreichten mich die vor knapp einem Monat noch nicht zustellbaren „Unterlagen“, mit denen damals alles begann: zwei Kontoauszüge. Das war aber noch nicht alles. In dem Umschlag steckte zudem ein Schreiben mit dem Betreff „Zweitversand ihrer Unterlagen wegen vorheriger Unzustellbarkeit“.

Was in diesem, auf den 20. Juli datierten Brief, nicht erwähnt wird, sind die 22,50 Euro „Aufwendungsersatz“, die die Sparkasse ohne mein (explizites) Einverständnis und Wissen noch am selben Tag von meinem Girokonto abbuchte. Verwendungszweck: „Entgelt Adress-Recherche steuerfreier Bankumsatz“.

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Eine Reaktion der Sparkasse habe ich noch nicht bekommen. Auf meine Beschwerde von Ende Juni habe ich bis dato keine Antwort erhalten. Den Brief öffnete ich am Samstag leider erst nach Ende der Geschäftszeiten des Kundencenters (Mo. – Fr. 8 – 21 Uhr und Sa. 10 bis 16 Uhr), wie ich per Bandansage erfahren habe. Am Montag werde ich direkt in einer Geschäftsstelle vorstellig werden. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

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Update (Montag, 24. Juli, 9.45 Uhr): Ich war soeben in einer Geschäftstelle der Sparkasse. Dort schilderte ich einer Angestellten mein Anliegen. Sie versprach sich, darum zu kümmern und entschuldigte sich. Wenig später rief sie mich an und teilte mir mit, dass ich die Kosten erstattet bekäme.

Urlaub in der Schweiz: Darum ist Leukerbad eine Reise wert

Mit dem ersten Atemzug im Freien lassen wir den Lärm und Dreck der Großstadt endgültig hinter uns. Die kristallklare, saubere Luft von Leukerbad wirkt geradezu befreiend – und das trotz der relativen Sauerstoffarmut, die in 1402 Metern Höhe herrscht. Dazu eine angenehme Stille, die eine Wohltat für unsere Ohren ist.

Die Gemeinde, die rund 1600 Einwohner zählt und zum Schweizer Kanton Wallis gehört, liegt inmitten der Berner Alpen fernab aller Hauptverkehrsrouten in einem Trichter. Umringt und abgeschirmt von einer massiven Bergkette und den riesigen Wäldern des Naturparks Pfyn-Finges. Die einzige Verbindung ins Rhonetal ist die Kantonstraße, die über Leuk und Inden von Süden her nach Leukerbad führt. Ist sie dicht, ist der Kurort praktisch von der Außenwelt abgeschnitten.

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Gemmi und Torrent

Es ist Anfang Oktober, ein milder Sonntagmittag, als wir Leukerbad erreichen. Das imposante Bergpanorama, das sich uns bietet, macht den Sinnesrausch bei unserer Ankunft perfekt. Linker Hand, vom Ortseingang aus gesehen, türmt sich eine Steilwand auf, die den 2314 Meter hohen Gemmi-Pass markiert. Dieser verläuft zwischen dem Daubenhorn (2942 Meter) und dem Rinderhorn (3448 Meter). Rechts, für Autofahrer ebenfalls unüberwindbar, thronen das Torrenthorn (2998 Meter) mit dem gleichnamigen Pass, das Majinghorn (3054 Meter), das Ferdenrothorn (3180 Meter) und über allen das stark vergletscherte Balmhorn (3698 Meter).

Auf „die Gemmi“ und „den Torrent“, wie die Einheimischen sagen, fahren von Leukerbad aus regelmäßig Gondeln. Beide Pässe sind hochalpine Erholungsgebiete, die im Winter zum Skifahren und ganzjährig zum Wandern und Klettern einladen.

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Dieses Foto entstand in der Talstation der Gemmi-Bahn. Der Eindruck täuscht: Der Weg zu Fuß hoch ist keineswegs „kurz“.

Wir wählen die sportliche Variante und erklimmen am zweiten Tag unserer Reise die Gemmi zu Fuß. Es gilt fast 1000 Höhenmeter zu bezwingen. Jetzt macht sich die dünne Höhenluft bemerkbar: Der Aufstieg ist deutlich anstrengender, als zunächst gedacht. Je nach körperlicher Fitness ist er in zwei bis drei Stunden machbar. Wir brauchen drei. Vorsicht, oben ist es selbst bei Sonnenschein windig und kalt. Doch bei „Röschti“ und Rivella kommen wir schnell wieder zu Kräften. Der Ausblick: grandios.

Durchquerung der Dalaschlucht

Im Norden begrenzt die Dalaschlucht den Kurort auf natürliche Weise. Für Wanderer ist sie ein echtes Erlebnis, Schwindelfreiheit vorausgesetzt.

Eine bisweilen wackelige, aber dann doch als vertrauenswürdig erscheinende Metallkonstruktion bildet einen 600 Meter langen Pfad, den Thermalquellen-Steg, der eine vollständige Durchquerung ermöglicht. Bis hin zu der Stelle, wo die Felsen Unmengen heißes Thermalwasser ausspucken, das die beiden Bäder Leukerbads speist und dessen Vorzüge schon die alten Römer zu schätzen wussten.

Fahrt mit dem Alpentaxi

Donnerstagmorgen brechen wir zu einem besonderen Ausflug auf. Um 9.30 Uhr quetschen wir uns am Rathaus in das Alpentaxi, einen alten Land Rover Defender. Unser Ziel heute ist in den Bergen die kleine Flüekapelle, genannt „Eiskapelle“. Einen „magischen Ort zum Krafttanken“ verspricht uns Yvonne, unsere einheimische Bekannte und Führerin an diesem Tag.

Kaum losgefahren, verlassen wir die öffentliche Straße. “Nur mit Bewilligung der Gemeindepolizei”, steht auf einem Schild am Rande. Zeno, der Fahrer, schaltet einen Gang runter und drückt kräftig aufs Gas. Der Motor heult auf. Es geht jetzt steil nach oben, der Weg ist kurvig. Ein Fahrfehler und wir würden in den Abgrund stürzen.

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Unterwegs mit Zeno und dem Alpentaxi.

Was für Zeno Routine ist, ist für uns ein Abenteuer. Von Mitte Mai bis Ende Oktober fährt er diese Strecke täglich außer samstags. Wer ein Hotel nimmt oder eine Ferienwohnung mietet, kann den Shuttle kostenlos nutzen. Eine Anmeldung am Vorabend genügt. Der Land Rover, dessen Komfort auf das Nötigste beschränkt ist, ist mit acht Fahrgästen voll besetzt. Wir sitzen uns hinten gegenüber, quer zur Fahrtrichtung, die Köpfe eingezogen. Vorne zwei Paare mittleren Alters in voller Outdoor-Montur, auf dem Dach ihre prall gefüllten Wanderrucksäcke. Einer der Männer erzählt, dass er und seine Frau das Ferdenrothorn überqueren und auf der anderen Seite ins Lötschental hinabsteigen wollen.

Langsam quält sich der Geländewagen den schattigen Hang östlich von Leukerbad hoch. Die Morgensonne versteckt sich noch hinter dem Bergmassiv. Draußen ist es frostig, innen eng und unbequem. Aber das stört nicht weiter, so etwas erlebt man schließlich nicht alle Tage. Nach etwa 20 Minuten Fahrt taucht vor uns die Alpe Folieret auf, wo wir alle aussteigen. Die beiden Paare brechen auf. Wir bestellen uns erst mal einen “Kaffee fertig” zum  Aufwärmen. Dabei handelt es sich um ein dampfendes Kaffee-Zwetschgenschnaps-Gemisch, das sich zu dieser frühen Stunde für den Magen als echte Herausforderung erweist.

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Die „Eiskapelle“

Gestärkt nehmen wir die letzten Meter in Angriff. Da wir uns noch im Schatten bewegen, die Berge aber bereits in gleißendem Licht erstrahlen, wirken sie ganz nah, die von schroffen Felsformationen und Gletschern geprägte Landschaft überwältigt uns einmal mehr regelrecht. Hier, oberhalb der Baumgrenze, ist auch die Schneegrenze nicht fern. Man kann den Schnee, der die Spitzen der Berge zuckert, förmlich riechen.

Es ist in der Tat ein magischer Ort.

Die Eiskapelle bei Leukerbad in der Schweiz.

Die Flüekapelle oder „Eiskapelle“ wurde teils in den Felsen geschlagen. Woher der Name kommt, liegt auf der Hand: Der Boden drumherum ist bereits im Oktober gefroren.

Gerade, als die „Eiskapelle“, die teils in den Fels geschlagen wurde, ins Sichtfeld rückt, kommt die Sonne hinter dem Bergrücken hervor. Geht man nach der Anzahl der am Altar brennenden Kerzen, sind heute vor uns schon sieben Menschen da gewesen. Auch wir zünden jeweils eine an und halten kurz inne.

Vor dem Eingang verweilen wir danach eine Viertelstunde, saugen die Energie der wärmenden Sonnenstrahlen auf und genießen die Kulisse, die vom leisen Plätschern der sich an der Kapelle vorbei ins Tal schlängelnden Dala untermalt wird.

Im siebten Käsehimmel – die Fluhalp

Dann marschieren wir zur ganz in der Nähe, auf 2039 Metern, gelegenen Fluhalp. Hier gibt es Käse im Überfluss, acht Tonnen zu Hochzeiten. Wer es richtig rustikal mag, kann sogar auf der Alp übernachten – ohne Strom. Ein uriges Zimmer bietet Platz für eine ganze Familie. Wir essen selbst gebackenen Apfelkuchen mit Sahne, trinken Bier, plaudern mit der Besitzerin, die übrigens, das hören wir sofort, Deutsche ist. Sie nimmt uns mit ins Käselager und erzählt, dass bis vor kurzem noch Kühe auf der Alpe waren.

Wegen des nahenden Winters werden die Tiere jedoch jedes Jahr im Herbst ins Tal verfrachtet. Erst im Frühjahr kehren sie dann wieder zurück. Bis dahin ist ihr Stall auf der Fluhalp verwaist.

Aushalten lässt es sich überall in Leukerbad. Allein aufgrund seiner Abgeschiedenheit ist es eine Insel der Ruhe für Menschen, die der Hektik des Alltags entfliehen und vor allem ihrem Gehirn Urlaub gönnen möchten. Die Leukerbad-Therme, Europas größtes Alpin-Thermalbad, ist ideal, um mental abzuschalten und körperlich zu regenerieren.

Wem das blubbernde Quellwasser zu warm oder langweilig ist, der kann in der von historischen Naturgewalten zeugenden Umgebung so viel entdecken, dass eine Woche fast zu kurz ist. Das Gefühl, lange nicht alles gesehen zu haben, lässt uns beim Abschied nach sieben Tagen auch den festen Vorsatz fassen, möglichst bald wiederkommen zu wollen.

Wir nehmen einen letzten tiefen Atemzug frischer Bergluft, steigen in das Auto und machen uns auf in Richtung Heimat. Schweren Herzens, dafür mit umso leichterem Geldbeutel. Denn die Schweiz ist zwar schön, aber leider alles andere als billig.

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Dieser Ausblick auf das Rhonetal bietet sich Autofahrern auf der Strecke zwischen Leuk und Leukerbad.